Aktuelles aus unserem Pfarrverband!

Nr. 22 / 28.05. – 05.06.2016

 

HEILIGSTES HERZ JESU

 

Liebe Pfarrangehörige,

viele von uns glauben, dass das Herz-Jesu-Fest etwas mit Sentimentalität zu tun habe.

Es ist aber ein bedenkenswertes Phänomen, dass gerade die Volksfrömmigkeit, deren Bedeutung Papst Franziskus in einer Enzyklika sehr positiv würdigt, sehr vom Herzen her inspiriert ist und lebt, was keine Absage an "Glaube und Vernunft", sondern eine intellektuell verantwortete Gläubigkeit und Frömmigkeit darstellt. In den letzten Jahrzehnten wird gegenläufig zu einem einseitig rationalistischen Kurs das Gewicht der emotionalen Faktoren im Alltagsleben, zumal in Familie und Berufswelt, wieder erkannt. Die Bedeutsamkeit der sog. "emotionalen Intelligenz" lässt sich in dem dichten Satz "Man sieht nur mit dem Herzen gut" treffend zusammenfassen. Diese Aussage aus der Erzählung "Der kleine Prinz" (Saint-Exupery, 72) entspricht sehr dem Evangelium Jesu und seinem von Herzlichkeit geprägten Umgang mit den Menschen, zumal mit jenen am Rande der Gesellschaft.

Sie drückt in einfachen Worten aus, auf welcher Wellenlänge echte biblisch verstandene Herz-Jesu-Verehrung zum Tragen kommt. Sie besteht darin, vom barmherzigen Jesus zu lernen. Um dasselbe Anliegen geht es in dem Gebetsruf: "Jesus, bilde unser Herz nach deinem Herzen". Barmherzigkeit zu praktizieren gilt für das individuelle Verhalten von Mensch zu Mensch ebenso wie auf der sozialen Bühne. Damit ist besonders die Kirche Jesu Christi als gemeinschaftlicher Lebensort gefordert, für die Menschen in Notlagen und Leidsituationen da zu sein. Jesus wollte seine Kirche nicht als eine in sich verliebte und verschlossene Institution, sondern "als Feldlazarett der Barmherzigkeit für die Verwundeten, als eine Mutter mit offenem Herzen", wie es Papst Franziskus griffig und sehr lebensnah formuliert hat.

Bernhard Hobelsberger,
Diakon